Wenn wir an Lavendel denken, denken die meisten Menschen zuerst an seinen Duft.
Vielleicht an ein Lavendelsäckchen im Kleiderschrank, an den Urlaub in Südfrankreich oder an ein kleines Fläschchen mit ätherischem Öl.
Ich möchte in diesem Beitrag den Blick einmal erweitern vom ätherischen Öl hin zur Pflanze selbst.
Wer ist Lavendel eigentlich? Seit wann begleitet er den Menschen? Warum duftet er überhaupt? Und warum fasziniert uns dieser Duft bis heute?
Viele dieser Fragen haben mich selbst neugierig gemacht. Je mehr ich über Lavendel gelesen und ihn in meinem eigenen Garten beobachtet habe, desto mehr wurde mir klar: Hinter dieser scheinbar vertrauten Pflanze verbirgt sich eine erstaunliche Geschichte.
Genau deshalb beginnt mein erster Pflanzenbeitrag mit Lavendel.
Warum ich ausgerechnet Lavendel gewählt habe
Eigentlich ist Lavendel gar nicht meine Lieblingsblume. Es gibt Pflanzen, die ich optisch noch schöner finde. Und doch war es ausgerechnet Lavendel, der mir die Tür in eine neue Welt geöffnet hat.
Vor vielen Jahren lernte ich eine einfache Kombination aus drei ätherischen Ölen kennen: Lavendel, Zitrone und Pfefferminze.
Als ich das Fläschchen mit echtem Lavendelöl zum ersten Mal öffnete, war ich überrascht.
So riecht Lavendel wirklich!
Bis dahin kannte ich nur den künstlichen Duft der Motten- und Duftplatten im Kleiderschrank meiner Eltern. Das hatte mit dem feinen, klaren Duft eines echten Lavendelöls nichts gemeinsam.
Diese erste Begegnung machte mich neugierig. Aus der Neugier wurde Interesse. Und aus diesem Interesse entwickelte sich schließlich mein Weg in die Welt der ätherischen Öle und der Aromatherapie.
Die Pflanze
Lavendel gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die bekannteste Art ist der Echte Lavendel (Lavandula angustifolia).
Was mich an Lavendel fasziniert, ist weniger seine Blüte als seine ganze Erscheinung. Die langen Blütenstände bewegen sich schon bei leichtem Wind. Dadurch wirkt die Pflanze lebendig.
Besonders im Sommer beobachte ich gerne Hummeln und Bienen auf den Blüten. Für sie ist Lavendel eine wertvolle Nahrungsquelle. Für mich ist dieses Schauspiel jedes Jahr eine Erinnerung daran, dass wir Menschen nur ein kleiner Teil eines viel größeren Naturkreislaufs sind.
Seine Heimat liegt im Mittelmeerraum. Dort wächst Lavendel auf sonnigen, trockenen und steinigen Böden. Er kommt mit erstaunlich wenig Wasser aus und entfaltet gerade unter diesen Bedingungen seinen charakteristischen Duft.
Heute kennt man verschiedene Lavendelarten. Sie unterscheiden sich nicht nur im Aussehen, sondern auch im Duft und in ihrer botanischen Zusammensetzung.
Je länger ich Lavendel beobachte, desto mehr Fragen entstehen.
Warum liebt er trockene Standorte? Warum verändert sich sein Duft im Laufe eines warmen Sommertages? Und warum scheinen Hummeln ihn schon von Weitem zu finden?
Vielleicht sind genau diese Fragen der Anfang jeder Entdeckungsreise.
Geschichte und Kultur
Lavendel begleitet die Menschen schon seit vielen Jahrhunderten. Schon früh wurde er wegen seines angenehmen Duftes geschätzt und fand seinen Platz im Alltag verschiedener Kulturen.
Der Name „Lavendel“ leitet sich vermutlich vom lateinischen Wort lavare ab, das „waschen“ bedeutet. Schon die Römer schätzten seinen angenehmen Duft und nutzten ihn unter anderem als Badezusatz sowie zum Beduften ihrer Kleidung und Wohnräume.
Besonders spannend finde ich, dass diese Geschichte gar nicht so weit entfernt stattfand. Nur etwa 30 Kilometer von meinem Zuhause liegt der Archäologische Park Xanten. Wenn ich dort durch die rekonstruierten römischen Anlagen gehe, frage ich mich manchmal, ob auch dort der Duft von Lavendel zum Alltag gehörte.
Im Mittelalter wurde Lavendel in den Klostergärten weiter kultiviert. Dort bewahrten Mönche und Nonnen das Wissen über Heil- und Gewürzpflanzen und gaben es an die nächste Generation weiter.
Heute verbinden viele Menschen Lavendel mit den violetten Feldern der Provence. Doch auch Bulgarien zählt inzwischen zu den bedeutendsten Anbaugebieten für hochwertiges Lavendelöl.
Mich fasziniert, wie eine Pflanze ihren Weg von den sonnigen Hängen des Mittelmeerraums bis in unsere Gärten, Häuser und Herzen gefunden hat und dabei über Jahrhunderte hinweg Menschen begleitet.
Wie geht unsere Reise weiter?
Dies ist das erste Pflanzenporträt in meinem Garten der Erinnerung.
In den kommenden Beiträgen gehen wir gemeinsam weiteren Fragen nach:
- Warum duftet Lavendel überhaupt?
- Was macht ätherische Öle so besonders?
- Welche Geschichte steckt hinter der Aromatherapie?
- Und was können wir heute noch von dieser alten Pflanze lernen?
Sonnige und dufte Grüße
Astrid
Zum Weiterlesen und Nachschlagen
Für diesen Beitrag habe ich Fachliteratur und – sofern passend – aktuelle wissenschaftliche Veröffentlichungen berücksichtigt, sowie eigene Erfahrungen und Beobachtungen einbezogen. Die folgende Auswahl dient interessierten Lesern zur Vertiefung des Themas.
Literatur
- Fischer-Rizzi, Susanne: „Himmlische Düfte – Das große Buch der Aromatherapie“. AT Verlag 2019.
- Pause, Bettina M.: „Alles Geruchssache – Wie unsere Nase steuert, was wir wollen und wen wir lieben.“ Piper Verlag, 2008.
- Steflitsch, Wolfgang; Wolz, Dietmar; Buchbauer, Gerhard (Hrsg.): „Aromatherapie in Wissenschaft und Praxis.“ Stadelmann Verlag, 2013
Wissenschaftliche Quellen
- Systematische Übersichtsarbeiten zu Lavendula angustifolia und Aromatherapie, recherchiert über PubMed.
Hinweis
Die in diesem Beitrag beschriebenen traditionellen Anwendungen und historischen Überlieferungen ersetzten keine medizinische Beratung oder Behandlung. Wissenschaftliche Erkenntnisse entwickeln sich ständig weiter.

